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Wie China den Yuan zur Weltwährung machen will
Mit einer auf dem chinesischen Festland eingemauerten Regionalwährung kann die globalisierte Wirtschaft wenig anfangen. Wenn der Yuan eine Weltwährung sein will, muss er sich für das gesamte Instrumentarium der Unternehmensfinanzierung eignen. Der erste Schritt, um die Währung zu einem globalen Werkzeug zu machen, war daher im Jahr 2003 die Zulassung von Konten außerhalb des Landes.„Yuan-Zentren sind wichtig, um seine Internationalisierung voranzutreiben“, sagt der Finanz-wissenschaftler Yang Tao von der Chinese Academy of Social Sciences. Im Prinzip kann die Zentralbank Finanzplätze überall auf der Welt mit diesen Sonderrechten ausstatten, bisher existieren sie mit nennenswerten Einlagesummen aber nur bei Hongkonger Banken.Derzeit liegt der Wert der Einlagen dort bei 637 Milliarden Yuan (80 Milliarden Euro). Immerhin zehn Prozent der gesamten Kontobestände in Hongkong werden damit in Yuan geführt.Hinzu kommt, dass sich mit dem Geld immer mehr anfangen lässt: Die Banken können inzwischen Yuan-Kredite vergeben und die Währung untereinander überweisen. Im vergangenen August hat Vizepremier Li Keqiang zudem in Aussicht gestellt, dass sich das Geld künftig leichter über die Grenze überweisen lassen soll, beispielsweise für Investitionen. „Die Bandbreite der Anwendungen für den Yuan sollte nicht schmaler sein als die für Dollar oder Euro“, sagt Xing Yujing, Abteilungsleiter in der chinesischen Zentralbank. Ebenfalls wichtig ist es, sich an liquiden Märkten im großen Stil Yuan leihen zu können. Schon seit 2007 erlaubt die chinesische Zentralbank die Ausgabe von Anleihen, die auf Yuan lauten, auch außerhalb des Festlands. Doch erst in den vergangenen beiden Jahren hat die Nachfrage nach dem Angebot richtig zugenommen. Hintergründe sind das stark wachsende Chinageschäft vieler Firmen, die zunehmende Bekanntheit dieses Instruments und eine Ausdehnung des erlaubten Rahmens. Ein Beispiel ist die gemeinsame Hausgerätesparte von Siemens und Bosch: Um sich für die weitere Expansion mit Mitteln einzudecken, hat die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH jüngst zwei Milliarden Yuan in Hongkong über eine Anleihe in Yuan aufgenommen. Die Nachfrage nach diesen Dim-Sum-Bonds sei „trotz des aktuell volatilen Marktumfelds weiterhin sehr stabil“, sagt Ingo Nolden, Leiter der Abteilung Anleihefinanzierung bei HSBC in Deutschland. Bislang finanzierten viele westliche Unternehmen ihre China-Investitionen über Bankkredite. Wegen der starken Einschränkung der Kreditvergabe in China gewinne die Finanzierung über den Hongkonger Kapitalmarkt aber zunehmend an Bedeutung, berichtet Nolden. Chinas Regierung unterstützt den Trend. Sie selbst hat begonnen, sich am Devisenmarkt in Hongkong zu finanzieren: Im September gab Peking dort probeweise Staatsanleihen im Wert von 2,5 Milliarden Euro aus. Die unterschiedlichen Trends verstärken sich gegenseitig: Je mehr Anleihen auf dem Markt sind, desto höher ist ihre Liquidität und damit das Vertrauen der Anleger – woraufhin wiederum die Zinsen steigen, was Anreize für die Ausgabe weiterer Papiere setzt. Seit 2009 lassen sich chinesische Waren auch im Ausland in Yuan bezahlen. Das bedeutet: Der chinesische Anbieter eines Produkts stellt eine Rechnung in Yuan aus und erhält über teilnehmende Institute direkt seine eigene Währung auf das Konto gutgeschrieben. Das herkömmliche Verfahren im Chinageschäft war bisher viel umständlicher: Der Anbieter legte einen Preis in Dollar fest, obwohl seine Kosten in Yuan anfallen. Der Käufer musste über seine Bank die Fremdwährung Dollar nach China überweisen lassen, wo der Handelspartner sie in die eigene Währung tauschte. Die neue Methode verringert Kursrisiko und Transaktionskosten deutlich. 2011 erreichte die im Direktverkehr umgesetzte Summe den Wert von rund 350 Milliarden Euro. Das entspricht rund zehn Prozent des gesamten chinesischen Handels. Vor allem andere Schwellenländer greifen gern auf diese Option zurück. Künftig will auch Japan die Bezahlung in Yuan fördern. Die Großbank HSBC erwartet, dass China in drei Jahren mehr als 50 Prozent seines Handels in der eigenen Währung abwickelt. Schon heute fließen beim Warenaustausch höhere Summen in Yuan als in britischen Pfund. Der Yuan ist damit die drittbeliebteste Handelswährung. Doch das ist nur eine Etappe: „Wir brauchen breitere Kanäle für den Yuan-Fluss über unsere Grenze“, sagte Handelsminister Chen Deming. „Die Liquidität des Yuans ist hoch, und es ist einfacher, direkt mit ihm zu handeln, als zwei Mal Dollar zu tauschen.“ Eines des größten Hindernisse für die internationale Weiterentwicklung des Yuans ist der Mangel an Investitionsmöglichkeiten. Hier schafft Peking Abhilfe: Unternehmen mit Standorten in Hongkong und anderen Zentren sollen mit dem Geld Direktinvestitionen in China tätigen können – etwa eine Fabrik bauen oder das Filialnetz erweitern. Das ist für viele deutsche Unternehmen eine interessante Option, da sie auf dem chinesischen Festland über eine breite Produktionsbasis verfügen. Der Vorteil gegenüber einer direkten Geldbeschaffung in China liegt in den Zinsen: So liegen die Finanzierungskosten in Hongkong niedriger als auf dem Festland. Ein westliches Unternehmen kann in Hongkong große Summen günstig aufnehmen und damit seine Expansion auf dem chinesischen Markt bezahlen. Im Prinzip war das auch bisher möglich, doch statt eines umfangreichen Genehmigungsverfahrens soll dies künftig per einfacher Zustimmung des Handelsministeriums möglich sein. Hintergrund des internationalen Interesses ist auch hier die Verteuerung von Krediten in China, die eine Finanzierung von jenseits der Grenzen interessant macht – es ergibt Sinn, sich das Geld im Ausland zu beschaffen und es dann im Inland zu investieren. Bisher sind die jährlichen Maximalsummen noch beschränkt, die auf diesem Wege mit vereinfachten Verfahren ins Land gelangen können. Doch eine schrittweise Anhebung ist vorgesehen und soll mit den Bedürfnissen des Marktes mithalten. Die Experten der Credit Suisse bezeichnen den Kurs der Regierung deshalb als „vorsichtige Liberalisierung“.
Quelle: Handelsblatt / 18.01.2012
Quelle: Handelsblatt / 18.01.2012
Erstellungsdatum:
18.01.2012 - 19:36 Uhr
